Bildbearbeitung: Wo fängt Manipulation an?

Mit der Digitalisierung der Fotografie hat auch die Bildbearbeitung am Computer stark an Bedeutung gewonnen. Früher war die Bildbearbeitung zum Teil sehr aufwendig, heute kann mit wenigen Klicks das digitale Material beachtlich verändert werden.

Dieser technische Fortschritt hat nicht nur den Profis, sondern vor allem auch den Amateuren und Hobbyfotografen viele neue Möglichkeiten eröffnet. Bilder können im Nachhinein korrigiert, optimiert und letztendlich auch manipuliert werden. Durch den Beitrag “Zeit für ein Geständnis” auf dem Fotoblog Lens-Flare bin ich erneut auf diese Thematik aufmerksam geworden.

Ich habe mich schon vor einiger Zeit (siehe auch: “So sah’ das aber nicht aus”) mit diesem Thema beschäftigt. Primär möchte ich mich mit der Frage beschäftigen, ob man ein Bild generell als “bearbeitet” kennzeichnen sollte und ab wann diese Kennzeichnung als notwendig erachtet wird.

In dem von mir angesprochenen Beitrag auf Lens-Flare hat Steffen aus zwei Bildern eins gemacht. Er hat einen Sonnenuntergang an einem grünen Hügel fotografiert und im Nachhinein ein Reh in den Lichtkegel der untergehenden Sonne gestellt. Mit dem Bild hat er nicht etwa an einem Wettbewerb teilgenommen, sondern lediglich auf der Plattform flickr für Aufsehen gesorgt.

In den Kommentaren zu seinem “Geständnis” sind ganz unterschiedliche Meinungen vertreten. Manch einer findet, “Manipulation” beginne im Prinzip schon bei der Anpassung der Farb- und Kontrastwerte, andere sind der Meinung, dass dies erst dann der Fall sei, wenn Objekte hinzu- oder weggenommen werden. Steffen hat in seinem Bild aus einer normalen Aufnahme, eine besondere Aufnahme gemacht. Um ein Reh an diesem Hügel im Abendlicht zu treffen, hätte er wahrscheinlich wochenlang pünktlich zur Dämmerung dort ausharren müssen, um die perfekte Aufnahme zu machen. Mit diesem technischen Kniff hat er zwei seiner Bilder kombiniert und daraus ein Gesamtkunstwerk geschaffen.

Viele Künstler arbeiten auf diese Weise. Motive werden im Nachhinein am Computer optimiert, zusammengeschnitten und zurecht gemacht. In der Werbung werden die Hüften der Damen geschmälert, das Dekoltee etwas gefüllt und kleinste Unebenheiten der Haut weggepinselt. Bei Werbeaufnahmen finden wir nirgends die Randnotiz “Dieses Bild wurde im Nachhinein bearbeitet”, obwohl wir alle wissen, dass es so ist. Müssen wir als Fotografen aus Leidenschaft, aus Freude an der Kunst das also tun? Letztendlich wollen wir mit unseren Bildern ja eine Geschichte erzählen, den Betrachter mit auf eine Reise durch unser Motiv nehmen. Wir zeigen mit unseren Bildern die Sicht durch unsere Augen. Beim Fotografieren nutzen wir die Blende, Belichtungszeit und die Brennweite, um dem Bild einen ganz besonderen Touch zu verleihen.

Wahrscheinlich könnte man diese Gedanken endlos weiter spinnen. Was ist zum Beispiel mit dem Bildausschnitt? Enthalten wir dem Betrachter damit nicht vielleicht sogar absichtlich Informationen vor? Müssten wir nicht eigentlich jedes Foto mit einer maximalen Brennweite von 50mm Fotografieren, da dies weitestgehend dem menschlichen Sehvermögen entspricht? Täuschen wir mit “Superbrennweiten” nicht dem Betrachter vor, viel näher am Motiv dran gewesen zu sein, als wir es eigentlich waren?

So einfach die Thematik anfangs klingen mag, umso komplizierter wird sie, je länger man darüber nachdenkt. Ich selbst sehe mich nicht in der Position, darüber ein allgemeingültiges Urteil zu fällen. Vielleicht könnt Ihr, liebe Leser, ja mit Euren Kommentaren weitere interessante Standpunkte liefern.

Leave a Reply