Nicht zuletzt durch die sozialen Netzwerke hat sich das Internet zum Dreh- und Angelpunkt der Jugend gemausert. Neben der Vielzahl von sozialen Netzwerken gibt es auch zahlreiche Fotoseiten, welche die Erlebnisse des Nachtlebens dokumentieren. Fotobegeisterte Partybären versuchen hier, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Dem Hobby Fotografieren nachgehen und dabei ordentlich auf den Putz hauen. Doch wie gestaltet sich die Arbeit in den Clubs, Bars und Discos wirklich?
Zunächst muss man sich bei einer der vielen Fotoseiten bewerben. Konnte man mit der Bewerbung Interesse wecken, wird man zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Diese Gespräche finden nicht selten mit mehreren Bewerbern gleichzeitig statt. Besonderes Augenmerk gilt der Person und der Kontaktfreudigkeit. Diverse Situationen aus Clubs werden in einem Rollenspiel nachgestellt. Wer sich hier gut verkaufen kann, hat den Job so gut wie in der Tasche. Fotografische Fragen beschränken sich lediglich auf das Equipment, wie zum Beispiel “Sind Ersatzakkus, ausreichend Speicherkarten etc. vorhanden?”. Nun fehlt eigentlich nur noch das Fotografen-Shirt und der Ausweis.
Die meisten Fotoseiten stellen hohe Ansprüche an ihre Fotografen. Das Privileg auf die Gästeliste der angesagtesten Clubs der Stadt geschrieben zu werden, fordert schnell seinen Tribut. Mehrere Locations pro Abend sind kein Einzelfall, ebenso wie mehrere Hundert Fotos pro Club. Bei vielen Fotoseiten hat man pro Wochenende bzw. pro Monat eine gewisse Anzahl von Shootings zu machen. Oftmals darf man lediglich eine Wunschlocation äußern, auf die letztendliche Zuteilung hat man jedoch kaum Einfluss. Dies ist besonders ärgerlich, wenn man zusammen mit Freunden gehen wollte und in einem weniger angesagten Club eingeteilt ist.
Bevor man sich in das Nachtleben stürzt, trifft man sich meist mit anderen Fotografen, welche am selben Abend auf Tour sind an einem Treffpunkt. Dort werden Anwesenheitslisten geführt und Flyer ausgegeben, damit die abgelichteten Personen sich auch am nächsten Morgen im Internet wiederfinden.
Im Club angekommen ist die erste große Hürde der Einlass. Obwohl man auf der Gästeliste steht kann hier jede Menge schief gehen. Zum Beispiel dann, wenn andere Fotoseiten bereits mit einigen Fotografen im Club sind. Damit die Gäste nicht durch zu viele Fotografen gestört werden, muss man schnell vor Ort sein. Eintrittskosten fallen für Fotografen übrigens meist nicht an. Freigetränke hängen stark vom Club und der Fotoseite ab, werden jedoch nicht mehr so großzügig gewährt. Ist man erstmal drin, fängt die Arbeit auch schon an. Geschmückt mit dem Shirt der Fotoseite und dem Ausweis um den Hals, zwengt man sich mit seiner Kamera durch das Getümmel auf der Suche nach potentiellen “Opfern”. Diese werden entweder kurzerhand angesprochen oder gehen beim Erblicken des Fotografen gleich mit ihren Freunden in Position.
Im Grunde läuft es immer gleich ab: Die Personen gehen in Position, man macht ein bis zwei Aufnahmen, zeigt sie auf dem Display und behält das bessere Foto, das andere wird gelöscht. Danach verteilt man den Flyer und macht sich wieder auf die Socken. Am besten merkt man sich direkt die Gesichter, um zu verhindern, dass man wenig später die gleichen Personen bezüglich eines Fotos anspricht. Da die meisten Clubs feste Regeln für die Fotografen festlegen, bleiben viele künstlerische Aspekte auf der Strecke. Oftmals ist das Ablichten des Interieurs sowie Schnappschüsse in die Menge untersagt. Bleiben also nur noch Portraits am Rande des Geschehens.
Das Schöne an dem Job ist, dass man schnell und unverfänglich viele Leute kennenlernt. Wann sonst hat man die Gelegenheit, mit so einem guten Vorwand wie einer Kamera um den Hals ein Gespräch anzufangen? Mit Freunden auszugehen und dabei die Fotos zu machen ist hingegen nicht optimal. Während die Freunde irgendwo an Bars rumhängen oder die Tanzfläche unsicher machen, ist man damit beschäftigt, das Soll zu erfüllen und den Club nach Fotoobjekten abzugrasen. Auch hier steht man immer im direkten Kampf mit der Konkurrenz. Viele Leute lassen sich nicht von mehreren Fotodiensten an einem Abend ablichten.
Selbstverständlich müssen die Bildern auch gewissen Anforderungen gerecht werden. Leute die Freude beim Feiern haben ja, zu viel Haut oder obszöne Anblicke oder Gesten sind hingegen nicht erwünscht. Weder vom Club noch von der Fotoseite. Ein großer Segen ist, dass die Bilder nicht weiter bearbeitet werden müssen. Die Bilder werden “Out of Camera” hochgeladen, automatisch verkleinert und mit einem Wasserzeichen versehen. Apropos hochladen, dies hat meist bis um 12 Uhr des Folgetages zu erfolgen. Ausschlafen fällt somit nach einer anstrengenden Partynacht schonmal flach. Nach einer kurzen Überprüfung durch das Team der Fotoseite werden die Bilder freigegeben und den Besuchern zur Verfügung gestellt.






