Er darf in keiner Kunstausstellung, keinem Museum und keinem Aquarium fehlen, der freundliche Hinweis: “Bitte keine Blitzfotografie”. Da wir Fotografen uns (zurecht) zu den Künstlern zählen und Konflikte unserer Arbeit mehr schaden als nutzen, halten wir uns auch daran. Insgeheim stellen wir uns dennoch die Frage, ob ein wirklicher Sinn hinter dem Verbot der Blitzfotografie steckt.
In einer Kunstausstellung
Angeblich soll der Blitz einer Kamera Gemälde zerstören, indem es deren Oberfläche beschädigt und den Farben den Glanz nimmt. Ein mutiger Künstler lies den Test zu: 300 Stroboskopblitze pro Minute, 60 Minuten lang auf ein und die selbe Stelle eines seiner Gemälde (Ölfarbe auf Leinwand). Das sind immerhin 18.000 Blitze innerhalb kürzester Zeit. Das Ergebnis ist recht unspektakulär, es konnte durch den Künstler keine bemerkenswerte Veränderung des Bildes an der Teststelle gefunden werden. Sicherlich waren die Stroboskopblitze auch nicht förderlich für das Bild, der Schaden entsprach jedoch eher dem, wie wenn man in der Galerie abends das Licht eine halbe Stunde länger brennen lässt.
Im Museum
Bei den in Museen verwendeten Vitrinen wird meist Spezialglas eingesetzt, welches nicht nur vor Diebstahl oder Beschädigung (bruchsicher), sondern auch vor äußeren Einflüssen wie zum Beispiel Hitze, starkes Licht etc. schützt. Denken Sie einfach mal an die Tatsache, dass Sie hinter einer Fensterscheibe in der Sonne nicht braun werden. Sicherlich sind auch hier Blitzlichter nicht förderlich, ob die Exponate jedoch einen wirklichen Schaden davon tragen, ist eher fraglich.
In Aquarien und Zoos
Hier schaut die Sache schon etwas anders aus. Denn hier geht es primär nicht darum, dass den Fischen vom ganzen Blitzen die Schuppen abfallen oder der Vogel sein Federkleid verliert. Hierbei geht es zum größten Teil um die Psyche der Tiere. Denken Sie zum Beispiel an Hunde, welche einen Laserpointer jagen oder den Kampf mit Lichtkegeln und Schatten aufnehmen. In Aquarien hat es jedoch einen durchaus lebenswichtigen Grund. Oftmals sind Aquarien abgedunkelt, da viele der dort zu sehenden Tierarten aus den Tiefen der Meere stammen, wo dementsprechend wenig bzw. gar kein Sonnenlicht hinkommt. Die letzten Sonnenstrahlen gelangen meist bis zu einer Wassertiefe von 100 Metern, danach herrscht vollständige Dunkelheit. Neben der Tatsache, dass derartig grelles Licht die Tiere irritieren würde, kann es bei vielen Fischen dazu führen, dass sie erblinden. Vergleichbar mit der Tatsache, dass wir Menschen auch niemals direkt in die Sonne schauen sollen und bei einer sogenannten “Sonnenfinsternis” immer eine Spezialbrille tragen sollen.
Wie Sie sehen, gibt es völlig unterschiedliche Beweggründe, welche uns ein Verbot der Blitzfotografie als mehr oder weniger sinnvoll erscheinen lassen. Ob Gemälde, welche früher in alten Schuppen oder Fachwerkhäusern gelagert wurden und heute mit perfekt abgestimmten klimatischen Bedingungen “konserviert” werden, ein paar Blitze schneller altern lassen, ist und bleibt fraglich. Bei Tieren schaut es da schon ganz anders aus. Grelle Blitze kennen tierische Landbewohner nur von Gewittern (Gefahr) oder Meeresbewohner zum Teil eben gar nicht.
Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Meine Intuition war nicht, Sie dazu zu bewegen, künftig sämtliche Hinweisschilder in Kunstgalerien und Museen zu ignorieren. Wir haben festgestellt, dass es bei Tieren durchaus Sinn macht, auf grelles Blitzgeflacker zu verzichten. Den Blitz-Mythos in sämtlichen Museen und Galerien hat weiterhin bestand, schon alleine der hochglanzheftchen im Souvenirshop wegen.







deshalb war ich beim letzten sealife-besuch auch mit meinem lichtstärksten objektiv dort. um halt auch ohne blitz ein paar nette shots hinzubekommen.
mit ner festbrennweite ist das allerdings schon eine herausforderung.
Im Grunde genommen wäre eine hinreichende Begründung des Verbots von Blitzfotografie, dass das Rumgeblitze einfach nervt.
Das wäre dann eben ein sozialer und kein technischer Sinn eines Blitzverbots.
Vermutlich spielen bei Museen und Kunstausstellungen auch Urheberrechte etc. eine nicht unerhebliche Rolle.
Aber den Versuch mit dem Stroboskop, den der Künstler durchgeführt halte ich für Effekthascherei.
Würde ein Kunstwerk „nur“ 100 mal pro Tag fotografiert werden, bildet der Versuch mit dem Stroboskop gerade einmal ein halbes Jahr Ausstellungszeit ab, bei beliebten Kunstwerken sicherlich weitaus weniger, zumal das Blitzlicht der Besucher noch zusätzlich zur regulären Beleuchtung über diesen Zeitraum kommt.
Die Empfindlichkeit des einzelnen Kunstwerkes gegenüber der schädigenden Einwirkung von Licht hängt von vielen Faktoren ab, wie z.B. Art der Lichtquelle, Spektrum des Lichtes, Zusammensetzung der verwendeten Farben und des Trägermaterials ab. Auch eventuelle Vorschädigungen können eine erhebliche Rolle spielen.
Dass der Aussteller, egal, ob Museum, Galerie, Kunstmesse oder wo auch immer, dem Besucher nicht die fachliche Kompetenz zutraut, welche Werke mit Blitz fotografiert werden könnten und welche besser nicht, ist sicherlich auch nachvollziehbar.
Bei Tieren sehe ich die den Verzicht auf Blitzlicht voll unter dem Aspekt des Tierschutzes.